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Ski Alpin: Hermann Maier beendet seine Karriere
2009-10-14
Am Dienstagnachmittag, genau um 14.01 Uhr, gab Hermann Maier auf einer Pressekonferenz in Wien seinen Rücktritt vom aktiven Skirennsport bekannt. Der Österreichische Skiverband verliert somit in der Olympiasaison seinen erfolgreichsten Skirennläufer, der alpine Skizirkus sein Zugpferd und größten Showman. Der „Herminator" ist abgetreten wie er gekommen war: Plötzlich und spontan!
Noch vor einer Woche haben die zahlreichen Maier-Fans auf eine Fortsetzung seiner einmaligen Karriere gehofft, als Maier am Söldener Gletscher ein erstes Schneetraining nach seiner Knieoperation vom März positiv absolviert hatte. Nun wurden nicht nur seine Fans sondern auch Trainer, Teamkollegen und Wegbegleiter vom Rücktritt des Außerirdischen überrascht. So etwa auch Franz Klammer, seines Zeichen Abfahrts-Olympiasieger 1976 und ebenfalls eine Skilegende wie Hermann Maier. „Es ist ziemlich überraschend, ich hätte nicht gedacht, dass er jetzt zurücktritt. Er war ein Ausnahmeathlet, der jahrelang den Skisport geprägt hat. Der Sieg ist immer über den Hermann gegangen. Es fehlt dem Skisport eine große Persönlichkeit, er hat niemanden kalt gelassen."
Blicken wir zurück auf die außergewöhnliche Karriere des Hermann Maier. Sein erstes Weltcup-Rennen bestritt Maier am 10. Februar 1996 beim RTL in Hinterstoder, wo er sich immerhin für den 2. Lauf qualifizierte und am Ende Rang 26 belegte. Sein erster Weltcup-Sieg folgte ein Jahr später beim Super-G in Garmisch. Am 23. Februar 1997 raste Maier in seinem 11. Weltcup-Rennen zum Sieg und distanzierte den Zweitplatzierten Christian Chedina um eine halbe Sekunde. Tags zuvor belegte er hinter Luc Alphand Platz 2. Der Mister Super-G war geboren. Hermann Maier war prädestiniert für diese Disziplin und gewann im Laufe seiner Karriere insgesamt 24 Super-G im WC.
Aber Maier setzte nicht nur im Super-G neue Maßstäbe, sondern war auch im Riesentorlauf und in der Abfahrt kaum zu besiegen. Er gewann insgesamt viermal den Gesamtweltcup (1997/98, 1999/2000, 2000/01 und 2003/04), 10 Disziplinenwertungen (5x Super-G, 3x RTL und 2x Abfahrt) und feierte 54 Weltcup-Siege. Nur der Schwede Ingemar Stenmark konnte mehr Rennen gewinnen (86 Siege). Auch bei Großereignissen war mit dem gelernten Maurer und Skilehrer immer zu rechnen. Maier wurde dreimal Weltmeister (1999 in Abfahrt und Super-G und 2005 im RTL) und in Nagano 1998 Doppelolympiasieger.
Die Olympischen Winterspiele von Nagano 1998 machten Hermann Maier zum Weltstar. Maier ging als großer Favorit in den Abfahrtslauf, wählte aber bereits im oberen Teil eine zu direkte Linie und katapultierte sich mit seinem Jahrhundert-Sturz über sämtliche Fangzäune hinweg mitten hinein in die weltweite Berichterstattung. Die Bilder gingen um die Welt, das Foto seines 40-Meter-Fluges war Sports Illustrated sogar die Titelseite wert. Drei Tage später holte Maier Gold im Super-G und als Draufgabe auch noch RTL-Gold. Der „Herminator" war geboren.
In der Saison 2000/01 feierte Hermann Maier 13 Weltcup-Siege und stellte damit den Rekord von Ingemar Stenmark ein. Zudem sicherte er sich neben der großen Kristallkugel für den Gesamtweltcup auch die kleinen Kugeln für Abfahrt, Super-G und Riesentorlauf. Der „Herminator" schien unbesiegbar, die Vorbereitung auf den Olympiawinter 2002 lief auf Hochtouren und seine Trainingszeiten ließen vermuten, dass er die Rekordsaison von 2000/01 noch toppen könnte. Maier schien noch stärker zu sein als je zuvor. Doch dann kam der 24. August 2001. Maier erlitt bei einem Motorradunfall schwere Beinverletzungen, musste um die Fortsetzung seiner Karriere zittern und verpasste nicht nur Olympia 2002 in Salt Lake City, sondern auch eineinhalb Weltcup-Saisonen.
Aber der Außerirdische kämpfte sich zurück. Sein Comeback im Jänner 2003 ist wieder etwas für die Geschichtsbücher. Maier kam ausgerechnet beim RTL in Adelboden, dem wohl schwierigsten im Weltcupzirkus, zurück, verpasste aber als 31. knapp die Qualifikation für den 2. Durchgang. Dreizehn Tage später gewann er den Super-G in Kitzbühel, vielleicht sein schönster Sieg, und wenige Tage später Silber beim WM-Super-G in St. Moritz. Der „Herminator" kämpfte sich zurück an die Weltspitze und gewann in der Saison 2003/04 zum vierten Mal in seiner Karriere den Gesamtweltcup. In den Folgesaisonen gelangen dem wohl besten Skifahrer Österreichs noch 7 Weltcupsiege, der RTL-Weltmeistertitel 2005 sowie 2 Medaillen bei Olympia 2006 in Turin. Seinen letzten Weltcupsieg feierte Maier am 30. November 2008 beim Super-G in Lake Louise. Spekulationen wieviele Siege und Titel Maier gefeiert hätte, wenn der Motorradunfall nicht gewesen wäre, gibt es viele. Angesichts seiner Dominanz in der Saison 2000/01 mit 13 Siegen wäre aber Stenmarks Rekord (86) durchaus möglich gewesen. Hermann Maier wird aber auch so, oder vielleicht gerade deswegen, in die Sport-Geschichtsbücher eingehen.
Wenige Tage vor Beginn der Olympiasaison 2009/10 gab Hermann Maier nun seinen Rücktritt vom Alpinen Skirennsport bekannt. Für viele überraschend, dennoch in Maier-Manier. Er kam plötzlich und spontan, und so hat er sich jetzt auch verabschiedet. Mit Tränen in den Augen!
Ski-Weltmeisterschaften: Gold, Vail/Beaver Creek 1999, Super-G Gold, Vail/Beaver Creek 1999, Abfahrt Gold, Bormio 2005, Riesenslalom Silber, St. Anton 2001, Abfahrt Silber, St. Moritz 2003, Super-G Bronze, St. Anton 2001, Super-G