Tipico im Interview

Unsere Freunde von weltfussball.at haben sich mit Wolfram Kessler aus der Rechtsabteilung des Wettanbieters Tipico unterhalten. Die interessanten Einblicke wollen wir euch nicht vorenthalten:

Seit dem Fall Taboga ist klar, auch in Österreich ist die international agierende Wettmafia höchst aktiv. Besonders im Fokus der Kritik stehen die Ereigniswetten. weltfussball sprach über manipulationsanfällige Wetten, Selbstbeschränkung der Branche und wettsüchtige Spieler mit Wolfram Kessler, Leiter der Rechtsabteilung von tipico, dem neuen Namenssponsor der österreichischen Bundesliga.

weltfussball: Ereigniswetten stehen unter Kritik, wie stehen Sie als Wettanbieter dazu?
Wolfram Kessler: Ereigniswetten sind wichtiger Bestandteil des Wettprogramms aller großen Sportwettanbieter. Dabei gilt es jeden Tag die Risiken abzuwägen. Wir können uns nicht erlauben, manipulierte Ereignisse im Programm zu haben. Zumindest theoretisch stellen Ereigniswetten höheres Risiko für Spielmanipulation dar, da in der Regel schon ein einzelner Spieler bestimmte Ereignisse beeinflussen kann. Das ist beim Spielergebnis anders. Jedoch wird der tatsächliche Anreiz jedenfalls bei seriösen europäischen Wettanbietern dadurch verringert, dass auf solche Einzelereignisse in der Regel nur geringe Wetteinsätze akzeptiert werden. Die geringen Gewinnerwartungen gepaart mit dem hohen Entdeckungsrisiko verringern daher die Manipulationsgefahr erheblich.

Von welchen Ereignissen sprechen wir da?
Der oft zitierte Klassiker ist die Wette auf das nächste Foul oder die nächste rote Karte. “In der 30. Minute haue ich die Nummer drei um und krieg ne Rote Karte”. Theoretisch ist das natürlich manipulierbar. Praktisch werden solche Wetten aber bei uns kaum angeboten. Wenn derartige Ereignisse bewettbar sind, dann mit geringen Einsätzen. Ein wirklich Anreiz besteht da im Profibereich sicher nicht. Deswegen erscheint das Gesamtthema derzeit ein bißchen aufgebauscht. Ich sehe das Problem eher im Bereich der Amateurligen und Jugendligen.

Wenn die Umsätze so gering sind, dann könnte man ja auch Ereigniswetten ja auch verzichten?
Solange ein gesetzlicher Rahmen fehlt, ist in diesem Bereich die Industrie gefordert. Wir arbeiten daran, eine branchenübergreifende Selbstbeschränkung im Jugend- und Amateurbereich zu vereinbaren. Das ist jedoch nicht einfach, da die Interessen hier durchaus unterschiedlich sind und oftmals schwierige Definitionsfragen zu langen Diskussionen führen. Es bringt jedoch auch nichts, wenn ein einzelner Anbieter vorprescht. Im Internet ist der nächste Anbieter mit Ereigniswetten nur einen Mausklick für den Kunden vom Anbieter ohne Ereigniswette entfernt.

Wer soll das machen?
Eine gut durchdachte gesetzliche Regelung, die die gesamte Branche bindet, wäre sicher der Königsweg. Leider wird in der Politik zu oft mit plakativen Pauschalurteilen gearbeitet. Das bringt die Sache aber nicht weiter. So ist nicht jede Livewette eine Ereigniswette und auch nicht jede Ereigniswette ist besonders manipulationsanfällig. Nehmen Sie zum Beispiel eine der populärsten Live- und Ereigniswetten, die Wette auf das nächste Tor. Was soll da der einzelne Spieler machen, um zu manipulieren? Das kann er nicht. Da wäre eine Beschränkung des Gesetzgebers sicher kontraproduktiv und würde Wettkunden in den illegalen Markt drängen.

Zum vollständigen Interview auf Weltfussball.at gelangst du hier!